Abonnieren

Allfacebook Marketing Conference in Berlin kapituliert vor den Besuchern

Allfacebook Marketing Conference in Berlin kapituliert vor den Besuchern

Es ist eindeutig zu eng geworden! Das Korsett zwickte an allen Ecken und Enden: Steigende Besucherzahlen ließen den Veranstaltungsort bereits mehrfach wechseln, Social Media ist weit mehr als nur Facebook und so sind bei den Teilnehmern Lösungen immer gefragter, die auch über den Tellerrand hinausblicken. Im Ergebnis gab es in Berlin eine auf den Kopf gestellte Allfacebook Marketing Conference.

Ist größer gleich besser?

Man ist beim Maximum angekommen: Das Estrel, Berlins größtes Hotel und Kongresszentrum, versprüht einen Charme, der mich an überdimensionierte Einkaufscenter auf der grünen Wiese in den frühen 90er-Jahren erinnert. Die geschätzten 500 Konferenzbesucher hatten dank der Dimension zum Glück Platz genug. Sie mussten sich allerdings erstmals zwischen gleich drei parallelen Tracks entscheiden. So viel Programm gab es nie. Damit dürfte die Schmerzgrenze erreicht sein, um nicht auf zu viele Themen verzichten zu müssen – schließlich ist man eher kein Heiliger und kann mit Bilokation auftrumpfen. :-)

Sinkende organische Reichweite bei Facebook

Es musste noch nicht einmal im Titel vorkommen, aber es könnte das Motto 2015 gewesen sein: Sinkende Reichweite auf Facebook – wo ist der Ausweg? Dafür gab es tatsächlich gleich mehrere Antworten. Die Deutschen Bahn stellt mit Inside Bahn ihrem Social-Media-Bereich, namentlich Facebook als mit deutlichem Abstand größter Plattform, einen Social Hub beiseite. Das ist im Grunde ein Blog mit erweiterten Community-Funktionen, sozusagen „Owned Social Media“. Basis ist natürlich WordPress. Dass dieser Weg richtig ist, beweisen Größen wie Audi oder Ritter Sport. Bei der Deutschen Bahn soll das aber bitte keiner als Corporate Blog missverstehen. Das ist etwas ganz anderes! 😉

Plattformmix mit Instagram, Snapchat und Whatsapp erweitern

So viel Raum für andere Plattformen neben Facebook gab es bisher nicht. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, nicht alle Ressourcen einzig und allein in Facebook zu investieren und auch dadurch sinkende Reichweite auszugleichen. Gerade jüngere Zielgruppen lassen sich so erschließen, was Arne Züll in Bezug auf Snapchat am Beispiel Karstadt Sport demonstrierte. Moment mal – Snapchat als Marketing-Instrument im B2C-Bereich? Klingt verrückt und auch rechtlich gibt es hier mehr als nur Graubereiche siehe Impressumspflicht oder Kennzeichnungspflicht von Werbung.

Dunkelgraubereiche bei Facebook nutzen: Pixelalarm

Jan-Philipp Wachsmuth und Tim Simonsen lockten mit der Verheißung: „Offline Absatz Boost durch Facebook Ads – der Fall Doppelherz„. Eben hatte man noch durch das wieder mal erfrischende Rechts-Update durch Thomas Schwenke und Carsten Ulbricht erfahren, dass der Einsatz des Facebook-Pixels in Deutschland praktisch nicht umsetzbar ist. Und schon bekommt man die dunkle Seite der Macht mit harten Argumenten in Form von Umsatzzuwächsen erläutert. Facebook bietet einiges im Bauchladen an, was hierzulande mit dem Datenschutz schwer oder gar nicht vereinbar ist. Stichwörter Tracking- und Targetting-Cookies und auch ungültiges Save-Harbor-Abkommen.

Starkes Community-Management für mehr organische Reichweite

Doch man bleibt nicht ganz ratlos zurück. Denn im letzten Vortrag durch Jan Gutmann und Helge Ruff wird deutlich, dass es noch einen weitere Möglichkeit gibt, der sinkenden Reichweite bei Facebook zu begegnen: Der Community wirklich das geben, was sie möchte. Zunächst analysierten sie genau die zu betreuende KFC-Community. Bilder mit kross gebackenen Hühnchen gehen dort immer – so weit so gut. Aber was noch mehr in dieser Community geht, ist Humor innerhalb des Community-Managements. Verspielte Antworten auf Fan-Kommentare lösten ganze Kommentar-Lawinen aus und führten so zu einem deutlichen Wachstum bezüglich der organischen Reichweite. Sicher ist dieses Beispiel nicht auf alle Marken übertragbar. Aber eine Bitte aus dem Vortrag heraus auch an dieser Stelle Richtung Tchibo: Ihr macht auf Facebook einen wirklich tollen Job, aber reagiert doch bitte auch auf positives Feedback eurer Fans. Und wenn nicht gleich in Textform: Facebook hat da so einen Like-Button im Angebot. 😉

Blick über den Tellerrand: Teenie-Kram und Behörden, die kapitulieren

Der Blick nach rechts und links mit Snapchat und Whatsapp war ein erfreulich neuer Bestandteil. Der neue Track „Politics and Government“ führte das Umweltbundesamt (UBA) zur Allfacebook Marketing Conference. Stephan Gabriel Haufe und Christoph Zinsius zeigten, dass Social Media zumindest hier bereits angekommen ist. Einen leichteren Einstieg als andere hatten sie durch den Leitspruch des UBA „Für Mensch und Umwelt“. Und da Umweltschutz nur gemeinsam geht, war der Schritt hin zu den Menschen und somit auch zu Facebook nicht so weit. Dazu bedarf es natürlich auch eines vernünftigen Titels der Kollegen, die sich „Social Media Officer“ nennen. :-) Wie gut diese Officer auf Zack sind, zeigten sie am Beispiel der Chemtrails. Der Post erzeugte viel Aufmerksamkeit auch außerhalb von Facebook und führte unter anderem in der Mitteldeutschen Zeitung und anderen Medien zu reißerischen Schlagzeilen „Umweltbundesamt kapituliert vor Chemtrailern“. Natürlich war das genaue Gegenteil der Fall. Und es wäre eine böse Unterstellung, falls man hier irgendeinen Zusammenhang zu meiner Überschrift herstellen möchte!

Fazit: alles neu, alles anders, alles gut

Die Veränderungen haben der Allfacebook Marketing Conference gut getan. Nach wie vor vollführen die Referenten einen Drahtseilakt zwischen wertvolle Einblicke in ihre Arbeit und auch in die Unternehmen zu geben und gleichzeitig nicht zu viel Interna preiszugeben. Da kommt schnell mal der Vorwurf der Oberflächigkeit, den ich auch auf den Fluren gehört habe.  Bestätigen kann ich ihn indes nicht. Daher wieder mal danke an Philipp Roth und Jens Wiese von allfacebook.de für die mutigen Schritte in diesem Jahr. Sie haben der Konferenz sehr gut getan!

2 Kommentare
  1. Wer von den Besuchern dieser #afbmc inhaltliche Oberflächlichkeit diagnostiziert, war wohl eher auf den Fluren unterwegs als in meinem Talk :-)

    Facebook Marketing API mittels hardcoded PHP – viel tiefer in das Imnenleben der Facebook Werbung geht leider nicht mehr.

    • Stimme dir voll und ganz zu!
      Die Bandbreite war allerdings von etwas marketinglastigen Schaut-mal-unsere-tolle-Aktion-an bis zu den von dir beschriebenen Einblicken in die Eingeweide sehr groß. Zum Glück war Ersteres die Ausnahme.
      Und da ich öfter das Gefühl hatte, „oh – diese Zahlen und Fakten dürfen sie hier öffentlich sagen“, zeigte mir wiederum, wie viel zugelassen wurde. Hat sich wieder mal gelohnt. :-)

Schreibe einen Kommentar