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7. Fachtagung Social Media in Berlin ‒ ein Erfahrungsbericht

7. Fachtagung Social Media in Berlin ‒ ein Erfahrungsbericht

Heute endete die zweitägige Fachtagung Social Media Management. Sie trug den erwartungsvollen Untertitel „Trends nutzen. Standards schaffen.‟ Die Highlights habe ich versucht, in einem „kurzen‟ Artikel zusammenzufassen.  

Donnerstag, 13. Juni

Hajo Schuhmacher in Bestform

Die Deutsche Presseakademie hatte in das Quadriga Forum in Berlin geladen. Der erste Tag stockte bereits beim Auftakt: Moderator Hajo Schumacher musste irgendetwas mit unserem Umweltminister Herrn Altmaier klären, bevor er zum Tagungsort kommen konnte. Zumindest eine halbwegs interessante Entschuldigung. Mit seiner nonchalanten und zugleich unterhaltsamen Art wurde es ihm schnell verziehen. Schließlich war er während der gesamten Tagung immer erfrischend. Er traute sich die Dinge teils so zu formulieren, dass die Referenten hochrot verstummten. Herr Schumacher mit hohem Unterhaltungswert ohne dabei den roten Pfaden zu verlieren – meistens jedenfalls.

Social Media ohne Facebook?

Nachdem Florian Stöhr, Vorsitzender im Bundesverband Community Management e.V., mit seinem Vortrag einen guten Impuls für die Tagung gegeben hatte, wartete der zweite  Dämpfer: Heiko Hebig von Facebook sagte als Referent ab. Noch ist das Thema Social Media ohne Facebook schwer zu bestreiten. Und so mussten die folgenden Referenten ohne Antworten zum Edge Rank oder Sinn und Zweck der neuen Hashtags bleiben. Schade.

Kommunikationshoheit im Blog bei Audi

Am Donnerstagnachmittag folgte der erwähnenswerte Best Case von Audi. Das erfolgreiche Corporate Blog ist als die zentrale Social-Media-Plattform eingerichtet, deren Inhalte, anders als auf Facebook und Co, voll und ganz in den Händen von Audi liegen. Britta Meyer, die Chefredakteurin Online und Social Media bei Audi, nennt diesen Aspekt „Kommunikationshoheit‟. Um das Blog herum gruppieren sich dann alle weiteren Kanäle. Für mich als „alten Blogfroscher‟ klingt dies nach einer Wiedergeburt des Blogs. Dass ich dies ohnehin sympathisch finde, muss ich nicht betonen. So tauchte die Frage „Sollen wir auch besser ein Corporate Blog machen?“ immer wieder in der Tagung auf. Die Macht über die Inhalte in Verbindung mit deren Darstellung ist ein gewichtiges Argument: Kein Drittanbieter, der von heute auf morgen das Layout umstellt oder Funktionen an- und abschaltet.

Durchwachsene Workshops

Die Workshop-Session war am ersten Tag eher enttäuschend. Dieses Feedback haben mir zumindest auch andere Tagungsteilnehmer aus den weiteren Veranstaltungen gegeben. Nicht individuell genug, zu oberflächlich. Auch ein Tagungspublikum kann anspruchsvoll sein! Zumindest bei Berhard Jodeleit, wurde die Kritik am Folgetag direkt umgesetzt: ein spannender Workshop zum Thema Social Media-Guideline mit Mehrwert.

Der dritte Dämpfer des Tages war dann die kurzfristige Absage des Leiters der Pressabteilung von Vodafone, Alexander Leinhos.

Sascha Lobo über Unfug und Erlösung

Bei der Rede zum Buffet am Abend, neumodisch Dinnerspeach genannt, konnte Sascha Lobo den Ausklang des Tages retten. Er sprach, wie immer sehr unterhaltsam vorgetragen, über das Thema „Segen oder Fluch – das Internet zwischen Unfug und Erlösung“. Eindringlichstes Beispiel in einer ganzen Reihe von historischen Errungenschaften und deren Wirkung auf die jeweilige Gegenwart: Die Einführung der Straßenlaternen in Frankreich unter Ludwig XIV., dem Sonnenkönig. Eine Erfindung, die wir heute mehrheitlich schätzen, hielten die Bürger jener Zeit für einen Eingriff in ihre Privatsphäre. Schließlich konnte fortan keiner mehr im Schutze der Dunkelheit die Straßen entlang gehen. Im Kontext von Google Glass, Microsoft Xbox One und automatischer Gesichtserkennung bei Facebook ein spannendes Beispiel, das zum Nachdenken anregt.

Was kommt nach Facebook?

Von den Tagungsteilnehmern kam im Anschluss der Rede noch eine Frage mit überraschender Antwort:

Tagungsteilnhemer:

Was kommt nach Facebook?

Sascha Lobo:

Die Frage müsste lauten: Was KAM nach Facebook?

Er ist der Meinung, dass wir uns schon längst in der Zeit nach Facebook befinden und wirft dabei den Blick in die USA. Dort wird Facebook von Jugendlichen noch benutzt, aber mit zwei verschiedenen Profilen: Das für die Eltern und Großeltern und jenes mit einem Pseudonym für die Freunde. Neuere Plattformen wie Snapchat oder Pinterest haben Facebook abgelöst. Das Dickschiff wurde von einer Pluralität an Communitys ersetzt, die jeweils für spezifische Gruppen verwendet werden.

Freitag, 14. Juni

Es konnte zum Start des Tages zu Berliner Sehenswürdigkeiten gejoggt werden: mit Achim Achilles alias Hajo Schumacher. Dieser Tagesordnungspunkt musste ohne mich auskommen. Für alle Auswärtigen aber eine schöne Idee.

Lufthansa Cargo mit niedlichen Eisbären

Die Logistik-Branche gehört allgemein hin vielleicht zu denen ohne Wow-Effekt. Dass das Gegenteil der Fall sein kann, bewies Mathias Eberle von Lufthansa Cargo. Hier versteht man es perfekt, das Potenzial der Mitarbeiter und Themen für Social Media zu nutzen. Piloten schreiben selbst über ihre mitunter exotische Fracht und schießen dabei emotionsgeladene Bilder. Wer hat schon die Möglichkeit einen Landeanflug aus dem Cockpit bei Nacht zu fotografieren? Der verdiente Erfolg lässt sich auf ihrer Facebook-Seite nachlesen.

KMU und Baubranche im Social Web – so geht’s

Während die einen über große Budgets und mehrere Mitarbeiter für Social Media verfügen, müssen andere praktisch mit nichts auskommen: Keine beratende Agentur, kein fachlich geschulter Socia Media Manager, kein Budget. Heike Eberle, nicht verwandt mit Mathias Eberle von Lufthansa Cargo ;-), hat als Geschäftsführerin eines kleinen Bauunternehmens mit 20 Mitarbeitern den Schritt ins Social Web gewagt. Mit viel Engagement und Willen hat sie ein Corporate Blog plus Facebook, Twitter und Co auf die Beine gestellt. Die viele Arbeit dafür bringt ihr persönlich nicht nur Spaß, sondern erübrigt auch die Kalt-Akquise neuer Kunden. Ein erfrischendes Beispiel, das zum Nachahmen animiert.

Microsoft: Etablierung einer Mitmach-Kultur

Social Media muss von innen kommen. So könnte das Fazit der Aktivitäten von Microsoft Deutschland lauten. Nachdem Herr Schumacher die Anzahl der Windows Phones unter den Tagungsteilnehmern abgefragt hatte ‒ ein Einziger gab sich zu erkennen ‒ durfte Annabelle Atchison den Best Case vorstellen. Das gesamte Management von Microsoft Deutschland schreibt Artikel für individuelle Blogs im Intranet. Damit lebt die Geschäftsführung das vor, was sie sich auch von den Mitarbeitern wünscht: Engagement auf den 130 offiziellen Social Media-Kanälen von Microsoft. Zudem gibt ein eigenes Wiki mit dem Social Media-Leitfaden, der Netiquette, Best Cases und mehr sowohl Richtlinien als auch Hilfestellungen.

Fazit zur Tagung

Auch wenn der erste Tag durchwachsen war, konnte der Zweite überzeugen. Dass Referenten kurzfristig absagen, ist für Veranstalter und Teilnehmer ärgerlich, lässt sich aber nicht ändern. Letztlich hatte die 7. Fachtagung Social Media überraschende Best Cases zu bieten, viele Informationen für Einsteiger, Raum zum Netzwerken und durchweg einen angenehmen Unterhaltungswert. Das Konzept ist aufgegangen.

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